An der Realschule werden neue Töne angeschlagen
Das Jugend- und Blasorchester Murnau ist gefragt: Allein im Juni 2026 stehen vier Auftritte im Kalender. Möglich ist das nur, weil viele Musikerinnen und Musiker dem Orchester seit Jahren die Treue halten und sich neben Studium, Beruf und Familie regelmäßig Zeit für Proben und Auftritte nehmen.
Doch der Nachwuchs fehlt. Für Dirigent Manfred Braun, der beim Markt Murnau angestellt ist, ist klar: Wer junge Menschen fürs gemeinsame Musizieren begeistern will, muss früh anfangen. Deshalb hat er an der Realschule Murnau eine neue Bläserklasse gegründet. Im September starten die ersten Fünftklässler – ganz ohne Vorkenntnisse. Wie das funktioniert, erklärt er im Interview.
Herr Braun, was genau ist eine Bläserklasse?
Kurz gesagt, eine Bläserklasse ist eine Gruppe von Kindern, die gemeinsam ein Blasinstrument in der Schule lernen. Praktischer Musikunterricht. Mit der Einführung einer Bläserklasse wollen wir Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit gegeben werden, Musik als gemeinschaftliches Erlebnis zu erfahren und ein Instrument systematisch zu erlernen – unabhängig von ihren Vorkenntnissen. Gleichzeitig leistet das Projekt einen wichtigen Beitrag zur kulturellen Bildung sowie zur Nachwuchsförderung für schulische und außerschulische Ensembles.
Das heißt, die Kinder müssen vorher kein Instrument gespielt haben?
Nein, überhaupt nicht. Die Bläserklasse ist ausdrücklich für Kinder gedacht, die neu anfangen. Sie bekommen alles erklärt: wie man das Instrument hält, wie man den ersten Ton spielt, wie man übt und wie man das Instrument pflegt. Zusätzlich zur gemeinsamen Bläserklasse gibt es Unterricht in kleineren Gruppen, damit die Kinder ihr Instrument richtig kennenlernen.
Und das klappt, dass sich nicht alle Kinder das gleiche Instrument aussuchen?
Ja, aus Erfahrung schon. Die Kinder dürfen Instrumente kennenlernen und ausprobieren, aber man muss das natürlich auch ein bisschen steuern. Nicht jedes Kind kann am Ende dasselbe Instrument spielen, sonst entsteht kein guter Orchesterklang, der motiviert und Spaß macht. Deshalb wird gemeinsam geschaut, welches Instrument zu welchem Kind passt – und was die Gruppe insgesamt braucht.
Welches Ziel verfolgen Sie mit der Bläserklasse?
Aus pädagogischer Sicht leistet musikalische Bildung einen wesentlichen Beitrag zur ganzheitlichen Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Neben der Förderung musikalischer Kompetenzen werden insbesondere Konzentrationsfähigkeit, Teamgeist, Durchhaltevermögen sowie soziale Kompetenzen gestärkt. Außerdem geht es darum, eine klare Struktur in Murnau aufzubauen. Die Bläserklasse ist die erste Stufe. Danach kann ein Jugendorchester folgen, und später können die Jugendlichen ins Jugend- und Blasorchester wechseln. So entsteht ein Weg, den die Kinder Schritt für Schritt gehen können – ähnlich wie im Sportverein.
Warum ist diese Nachwuchsarbeit für das Jugend- und Blasorchester so wichtig?
Das Orchester hat viele Auftritte: Sommerkonzerte, kirchliche Feste, das Jahreskonzert und weitere Veranstaltungen im Ort. Gleichzeitig sind viele Musikerinnen und Musiker nicht immer verfügbar, weil sie studieren, arbeiten oder Familie haben. Deshalb braucht es langfristig Nachwuchs. Nur so kann ein Orchester auf Dauer bestehen. Mir ist wichtig, das zu bewahren, was über Jahrzehnte gewachsen ist, und jungen Musikerinnen und Musikern Räume öffnen – damit das JBO lebendig weiterklingt.
Wie läuft der Unterricht ab?
Bläserklasse ist Musikunterricht und findet im Rahmen des Schultags statt. Zusätzlich gibt es Instrumentalunterricht, ebenfalls an der Schule, aber außerhalb der regulären Schulzeit. Dort werden die Kinder einzeln 30 Minuten oder in kleinen Gruppen 45 Minuten unterrichtet. Sie lernen die Grundlagen und bekommen auch erklärt, wie sie beispielsweise ihr Instrument pflegen und richtig damit umgehen müssen.
Müssen die Eltern das Instrument für ihre Kinder kaufen?
Nein. Wir haben großartige Unterstützung von unserem Förderverein, der das Projekt unter anderem bei den Instrumenten unterstützt. Das ist wichtig, weil nicht jede Familie einfach ein neues Instrument kaufen kann. Die Kinder sollen die Möglichkeit bekommen, Musik auszuprobieren, ohne dass es gleich an den Kosten scheitert.
Was wünschen Sie sich Zukunft der Bläserklasse?
Ich wünsche mir, dass die Kinder Freude am gemeinsamen Musizieren entwickeln. Es sollte sich wieder ein „Werteleben“ in der Gemeinschaft ohne Handy & Co entwickeln. Außerdem hoffe ich, dass aus der Bläserklasse später ein Jugendorchester entsteht und die Jugendlichen irgendwann ins JBO hineinwachsen, Es geht nicht nur um Leistung, sondern um den Spaß, miteinander in einer harmonischen Gemeinschaft Musik zu machen. Genau das macht ein gutes Orchester aus.
Wir danken Herrn Braun herzlich für das Interview.
« Zur Übersichtsseite der News
« Zurück zur Startseite