Neue Sonderausstellung im Schloßmuseum: Die fabelhaften Alben des Alfred Mayer
Das Schloßmuseum Murnau rückt mit seiner neuen Sonderausstellung einen faszinierenden Menschen ins Rampenlicht, der der Forschung bislang weitgehend verborgen geblieben ist: Der Theaterkritiker und Kunstschriftsteller Alfred Mayer (1860–1932), der als Förderer und Mäzen namhafte Kulturschaffende um sich versammelte.
Im Besitz des Schloßmuseums befinden sich drei Künstleralben und ein Fotobuch aus dem Nachlass Mayers und seiner Tochter Eva (1917–2008). Die Alben kamen 2015 bzw. 2024 auf zwei unterschiedlichen Wegen, aber beide Male als Schenkung aus Privatbesitz, in die Sammlung des Museums.
Beim Durchblättern der Bücher zeigt sich, dass diese drei Künstlerbände weit mehr sind als bloße Gästebücher; sie gleichen künstlerischen Poesiealben, in denen Maler, Schriftsteller, Theaterleute, Komponisten sowie Musiker Alfred Mayer ganz persönliche Zeugnisse ihres Wirkens – von handschriftlichen Notaten über Collagen bis hin zu filigranen Zeichnungen – widmeten. Die Namen lesen sich wie ein Who’s Who der damaligen Kunst- und Kulturszene: Else Lasker-Schüler, Klabund, Joachim Ringelnatz, Arthur Schnitzler, Heinrich Mann, Gabriele Münter, Alexej von Jawlensky, Marianne von Werefkin, Marieluise Fleißer, Hannah Höch und viele mehr.
Doch wer war Alfred Mayer, der sich mehr als Freund und Vermittler, denn als Zentrum eines Netzwerkes sah und am Ende seines Lebens gerne noch eine Stiftung zur Unterstützung bedürftiger Künstler ins Leben gerufen hätte? Mayer war Sohn einer jüdischen Kaufmannsfamilie in Frankfurt. Statt der vorgezeichneten Laufbahn im Familienunternehmen zu folgen, zog es ihn zum Theater und zur Kunst. Als er 1886 nach Berlin ging, war er zwar zunächst als Kaufmann tätig – doch kaum finanziell abgesichert, machte er seine Passion zum Beruf und wurde Kritiker (im Laufe seines Lebens werden es mehr als 100 Veröffentlichungen sein). In Berlin lernte er u. a. den Theaterregisseur Max Reinhardt kennen.
Ab 1906 lebte Mayer als Kunstschriftsteller, Theaterkritiker und Sammler in München-Schwabing. Hier war er eng verbunden mit den Künstlern des Blauen Reiter und besaß u. a. Kandinskys Impression I, 1910 (im Zweiten Weltkrieg zerstört), Paul Klees Stillleben mit Distelblüte, 1919, sowie laut den Erinnerungen seiner Tochter Eva und der Schauspielerin Berta Drews, die zeitweilig bei ihm zur Untermiete wohnte, vier „starkfarbige Frauenköpfe“ von Alexej von Jawlensky. Seine zwischen 1900 und 1931 geführten Alben sind ein faszinierender Spiegel der damaligen Künstlerszene und geben z. T. Einblick in Werke, die zu jener Zeit im Entstehen begriffen waren.
Auch das Fotoalbum birgt Überraschungen. Neben Aufnahmen u. a. von Franz und Maria Marc, Kandinsky, Werefkin, Jawlensky, Arthur Schnitzler, Lotte Pritzel und Olaf Gulbransson finden sich darin zwei Fotografien von der Puppenmacherin Hermine Moos. Lachend steht sie auf einem Balkon, neben ihr ein selbst konstruiertes menschliches Skelett – die Unterkonstruktion für die lebensgroße Puppe, die sie 1918 im Auftrag Oskar Kokoschkas nach dem Vorbild Alma Mahlers schuf.
In Evas Mayers Album, das sie 1926 – im Alter von neun Jahren – zu führen begann, haben sich die Künstler kindgemäß mit z.T. vielfarbigen Gouachen und Aquarellen verewigt. Marianne von Werefkin schuf für Eva eine Kartenspielerrunde, Conrad Felixmüller porträtierte das Mädchen mit gebrochenem Arm und die Schauspielerin Grete Jacobsen zeichnete ihr zu Ostern einen Hasen in den Arm.
Ausgehend von diesen vier Alben spürte das Schloßmuseum Murnau – in Zusammenarbeit mit Expertinnen der Theater-, Literatur- und Kunstwissenschaft – Mayers Wirken als Sammler und Mäzen nach. Bereichert um verdichtende Leihgaben, stellt die Sonderausstellung eine bemerkenswerte Persönlichkeit in den Mittelpunkt, die bislang kaum im Blick der Forschung stand.
Großer Dank gilt den Schenkenden der Künstleralben, Frau Christel Moosbauer, die eines der Gästebücher von Alfred Mayer, das Künstleralbum von Eva Mayer und das Fotobuch überlassen hat, sowie Herrn Dr. Bernd und Frau Barny (†) Fäthke, die das noch fehlende Gästebuch als Schenkung übergaben.
Für den Ausstellungskatalog schrieben Autoren aus den Bereichen Theaterwissenschaft, Literaturwissenschaft und Kunstgeschichte. Die begleitende Publikation wird gefördert von der Ernst von Siemens Kunststiftung, München.
Bildnachweis: Marianne von Werefkin, Kartenspieler, 1930, Gouache, Eintrag in Eva Mayers Künstleralbum, S. 53, Schloßmuseum Murnau, Fotograf: N. Steglich, Starnberg
(Pressemitteilung des Schloßmuseums Murnau vom 11. Mai 2026)
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