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27. Juli 2016
Nicht alle haben immer genügend Kleingeld.

Armut im Landkreis

Das Problem wird immer deutlicher: Im Landkreis gibt es nicht nur Wohlstand. Im Gegenteil: Die Schere zwischen Arm und Reich geht immer weiter auseinander. Die Tafel im Landkreis, die seit einigen Jahren in Garmisch-Partenkirchen, Mittenwald, Oberammergau und Murnau Menschen mit schmalem Geldbeutel mit dem Lebensnotwendigsten versorgt, macht das Problem sichtbar. Die Armut nimmt weiter zu – niedrigen Gehältern und zu wenig Jobangeboten stehen hohe Mieten und die zu geringe Zahl an Sozialwohnungen gegenüber.

Im April 2016 gab es zu diesem Thema einen Vortrag im Mehrgenerationenhaus Murnau von der Sozialen Beratung der Caritas Garmisch-Partenkirchen. In diesem Vortrag beleuchteten Annette Wagner und Nadja Braun das allgemeine Verständnis von Armut in wirtschaftlich hoch entwickelten Sozialstaaten, die Situation im Landkreis anhand von Fakten und Beispielen und lieferten einen Überblick über die zahlreichen Hilfsangebote im Landkreis.

"In unserem Verständnis [der Caritas] ist Armut immer relativ zu betrachten d. h. es geht hier nicht um das bloße Überleben, vielmehr geht es um den Mangel an Teilhabe in der Gesellschaft."

Kürzlich erschien der Armutsbericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, aus dem hervor geht, dass in Deutschland die Armutsquote aktuell bei 15,4 Prozent liegt. Bayern zählt neben Baden-Württemberg zu den Bundesländern mit der geringsten Armut (Armutsquote 11,5 Prozent), im Landkreis Garmisch-Partenkirchen liegt sie bei 8,1 Prozent. Fast doppelt so viele Haushalte leben hier von weniger als 1.100 Euro Netto im Monat, rund 1.900 Personen sind (langzeit-)arbeitslos, darunter vor allem Personen ohne deutschen Pass. Auch diese Zahl ist im letzten Jahr angestiegen: von 4,2 Prozent in 2015 auf 4,5 Prozent in 2016.

Gründe dafür sind insbesondere die gering bezahlten Jobs in der Gastronomie, der Tourismusbranche und im Dienstleistungsgewerbe hier in der Region. Allerdings darf nicht außer Acht gelassen werden, dass diese Zahlen nur einen Ausschnitt der tatsächlichen Armut darstellen, denn die Dunkelziffer spielt eine nicht unwesentliche Rolle.

Von Armut betroffen sind besonders Rentner, Alleinerziehende, Langzeitarbeitslose und Personen mit Migrationshintergrund. Neben unterbezahlten Arbeitsstellen und einer geringen Arbeitsangebots-Struktur, stellen vor allem geringe Betreuungszeiten für alleinerziehende Mütter, hohe Baulandpreise/Mieten, Überschuldung, Drogen/Alkohol wesentliche Ursachen für Armut dar. Gerade ältere Menschen sind hier im Landkreis vermehrt auf Grundsicherungsleistungen angewiesen. In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass viele ältere Bedürftige keinen Anspruch auf Leistungen haben, da ihr Einkommen knapp über dem Berechnungssatz liegt. Außerdem sind geringe Renten – gerade bei Frauen, die nie gearbeitet haben – und/oder Scham sowie Unwissenheit über die Antragsstellung von Sozialleistungen wesentliche Faktoren für die Altersarmut.

Das Hilfsangebot der Caritas und vieler anderer Hilfsorganisationen ist vielseitig. Die Soziale
Beratung der Caritas, unterstützt von Kirchen und Stiftungen, möchte im Kleinen helfen und fungiert mit ihren Beratungsangeboten als Schnittstelle und Wegweiser bei behördlichen Angelegenheiten, Existenzsicherung und finanziellen Schwierigkeiten. Jedoch spüren die Mitarbeiter und Ehrenamtlichen oftmals eine gewisse Ohnmacht in ihren Handlungsmöglichkeiten.

Als Fazit lässt sich zusammenfassen: Bessere Teilhabe an der Gesellschaft für die sozial Schwachen kann nicht alleine durch Hilfsangebote verschiedener Stellen erreicht werden. Es steht die Politik in der Pflicht Lösungsansätze zu finden.

[Ein Beitrag der Caritas Garmisch-Partenkirchen]

Kontakt

Caritas
Beratungsstelle für Soziale Dienste in Garmisch-Partenkirchen
Ansprechpartnerin: Nadja Braun
Telefon: 08821 94348-0

Caritas
Kontaktstelle Oberammergau
Ansprechpartnerin: Annette Wagner
Telefon: 08822 94376